Haunted [FSK18]
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Kapitel 2 - Episode 7
von Alina am 24.07.2026 08:14Kapitel 2
11. November 2013
Sie treffen sich von nun an noch häufiger draußen, um miteinander zu rauchen. Ein Ritual entsteht: kommt Malte abends von der Arbeit heim, ist es meist schon dunkel. Regnet es nicht, setzt er sich zu Eli auf die Bank und sie rauchen gemeinsam eine Zigarette. Regnet es, steht sie auf sobald er an der Bank vorbeikommt, und beide stellen sich unter das Vordach des Eingangs zum Plattenbau.
Manchmal unterhalten sie sich über unwichtige Dinge, manchmal schweigen sie auch nur und einzig das Ausatmen des Rauchs unterbricht die Stille.
Vor einigen Tagen erzählte Eli ihm, dass sie dort oben ganz allein wohnt. Malte hatte direkt danach gefragt, aber die Antwort verblüffte ihn dann doch. Er hatte sich schon öfter gefragt, wer sonst noch in der oberen Etage wohnen mag.
Irgendwann war ihm eingefallen dass er in einem Infobrief für Mieter gelesen hatte, die oberste Etage stünde fast komplett leer. Als er nach Elis Eltern fragte, erwiderte sie nur knapp dass diese tot seien. Beide Antworten reichten ihm für diesen Abend erst einmal – er wollte sie nicht weiter deprimieren. Sie selbst wirkte aber davon kaum aus der Fassung gebracht.
Es ist gerade dunkel geworden, als Eli die Treppe des Wohnhauses hinuntersteigt. Sie spürt das Etui in ihrer Tasche und freut sich schon auf die Zigarette. Ihre Gedanken wandern zu Malte. Sie muss sich eingestehen dass sie sich mittlerweile darauf freut, mit ihm zusammen zu rauchen – so wie es inzwischen fast jeden Abend geschieht. Manchmal sitzt sie allein auf der Bank, und niemand kommt; dann denkt sie, er besucht wohl noch Freunde oder ist irgendwo in der Stadt unterwegs und geht vielleicht aus.
Manchmal blickt sie zu seinem Fenster hoch und sieht bereits Licht brennen – dann hat er wohl schon Feierabend gemacht, während es draußen noch hell ist. Sie fragt sich, was er wohl den ganzen Tag macht und wie sein Leben aussieht. Und sie fragt sich, warum sein Leben sie überhaupt interessiert. Das ist ihr noch nie passiert – Menschen interessieren sie normalerweise nicht.
Sie weiß, dass sie kein Mensch ist wie die anderen. Doch seltsamerweise kennt sie auch niemanden, der so ist wie sie – nicht mehr. Sie leidet nicht darunter, wie sie es bei einsamen Menschen beobachtet – aber es ist trotzdem ein seltsames Gefühl. Seit ihr Vater tot ist, hat sie niemanden mehr, mit dem sie sich über ganz bestimmte Themen unterhalten kann. Aber sogar das ist schon lange her. Und ihr Vater ist ohnehin nicht besonders gesprächig gewesen.
Wie auch immer – seltsamerweise mag sie Malte trotzdem gern. Sie verbringt gern Zeit mit ihm, auch wenn sie oft nur miteinander schweigen. Vielleicht mag sie ihn sogar gerade deswegen.
Als sie auf den Weg vor dem Haus tritt, fallen ihr die drei Jugendlichen wieder ins Auge. Ihre Augen verengen sich und ein Kribbeln macht sich in ihrer Magengegend breit. Trotzdem geht sie langsam zu der Bank und setzt sich behutsam hin.
Die drei lassen nicht lange auf sich warten und kommen näher. Als sie sie erreichen, grinsen sie; zwei setzen sich links und rechts neben Eli, einer bleibt vor ihr stehen. Ihr Blick ist auf den Jungen vor ihr gerichtet, aus den Augenwinkeln beobachtet sie die anderen beiden.
"Na Süße, was geht?", sagt der Junge vor ihr.
"Nichts", sagt sie langsam und gedehnt.
Die anderen beiden rutschen fast gleichzeitig so nah an sie heran, dass sich ihre Körper bereits berühren. Sie sieht den Jungen vor sich grinsen und schaut ihn kalt an, ohne jede Regung. Das verunsichert ihn kurz, doch er fühlt sich zu überlegen um sich davon beirren zu lassen.
"Hast du Lust auf 'ne Party? Nur wir vier...", sagt er provokant grinsend.
Sie überlegt. Sie kann sich nicht vorstellen, dass sie das ernst meinen.
"Nein, ich warte lieber hier", sagt sie gleichgültig.
Die drei fangen gleichzeitig an zu kichern, schauen sich an und nicken. Der Junge rechts neben ihr sagt: "Och komm, Baby, du wirst sehen, es gefällt dir." Dabei legt er eine Hand auf ihren Oberschenkel.
Sie rührt sich nicht. Sie spürt, wie Erregung in ihr hochsteigt und sie ist nicht sicher ob sie sich beherrschen kann. Eine Vorfreude wächst in ihr – sie kann das Blut dieser drei Gestalten schon riechen, so nah sind sie ihr.
Doch sie erinnert sich an das letzte Desaster, an ihre letzte Bleibe die sie verlassen musste, weil sie sich nicht beherrschen konnte und ihren Hunger in dem Haus gestillt hat, welches sie damals bewohnte. Das soll ihr nicht wieder passieren.
"Nein, ich will nicht", sagt sie ungerührt und ohne jede Angst – was die drei jedoch nicht wahrnehmen.
Der Junge links legt den Arm um sie und streichelt ihr Haar. Er tut es nicht besonders sanft, sondern eher grob. Sie lässt es geschehen. Es stört sie sehr, von diesen drei Schwächlingen so behandelt zu werden, doch sie will nicht wieder flüchten müssen. Zu oft schon hat sie alles verloren – dieses Mal möchte sie das nicht. Doch die Erregung in ihr steigt und steigt. Und auch ihr Hunger, wenn auch nicht riesig, ist durchaus spürbar.
Da kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Die Haustür geht auf und eine Frau tritt heraus.
"Kevin! Was machst du denn hier? Sollst du nicht hochkommen? Es gibt Essen, verdammte Scheiße!"
Ein genervtes Seufzen und der Junge zu ihrer Rechten steht auf. Die anderen beiden schauen sie noch einen Moment an, dann tritt der Junge vor ihr zurück. Und auch der Junge links neben ihr steht auf.
"Na, dann ein andermal", sagt der Junge vor ihr, seine Stimme klingt enttäuscht.
"Ja, ein anderes Mal", sagt sie ungerührt.
Er hebt die Augenbrauen und kann ihre Antwort nicht recht deuten. Er grinst dann aber und die beiden schlendern in Richtung Straßenbahn davon. Als sie eine Bahn kommen sehen, laufen sie sogar los. Eli bleibt auf der Bank sitzen und spürt, wie ihre Anspannung sich langsam wieder legt. Da sieht sie Malte aus der Straßenbahn steigen. Die beiden Jungen steigen in den hinteren Wagen ein; Malte kommt aus dem vorderen Wagen, sodass sie sich nicht begegnen. Langsam kommt er auf sie zu, in seinem Mantel der ihr sehr gut gefällt.
Malte sieht sie schon aus der Ferne und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er freut sich, sie hier zu sehen, und beschleunigt seinen Schritt.
Auch sie lächelt, als sie ihn kommen sieht. Sie atmet aber erst einmal durch – ganz spurlos ist die Begegnung mit den drei Kerlen nicht an ihr vorbeigegangen.

Kapitel 2 - Episode 8
von Alina am 25.07.2026 07:56
Mittlerweile bedeutet ihm das tägliche Ritual sehr viel; die Enttäuschung ist immer groß, wenn er zurückkommt und sie nicht da ist. Heute aber ist sie da und er bleibt kurz vor ihr stehen. "Hi", sagt er lächelnd und betrachtet sie einen Augenblick.
Sie klingt erleichtert, als sie seinen Gruß erwidert. "Hallo." Sie rückt demonstrativ ein Stück auf der Bank zur Seite.
Er setzt sich zu ihr. "Ist alles in Ordnung bei Dir? Du wirkst ein bisschen mitgenommen." Sein Blick fällt besorgt auf sie. Auch heute ist es schon dunkel und diesig, doch es regnet nicht. Die Luft ist kalt und feucht. Sie atmet kurz durch und schaut in Richtung der Haltestelle, die jetzt wieder verlassen daliegt.
"Alles in Ordnung", sagt sie leise und es klingt, als wolle sie sich das selbst weismachen.
Er schaut ebenfalls kurz zur Haltestelle hinüber, in der Hoffnung irgendetwas zu entdecken. Da er nichts sehen kann, wandert seine Aufmerksamkeit zurück zu ihr. "Bist Du sicher? Du klingst nicht besonders überzeugt."
"Weißt Du noch wie Du einmal gesagt hast, dass Du schlecht von jemandem behandelt wirst, nur damit sich der andere besser fühlt?", fragt sie unvermittelt und schaut ihn fragend an. Sie sieht blass und etwas müde aus – was bei ihr allerdings nichts Besonderes zu sein scheint. Sie wirkt auf ihn oft genauso wie heute.
Er nickt ihr zu, schweigt aber und holt eine Zigarettenpackung aus seiner Tasche. Er hält sie ihr offen hin. Sie schaut ihn dankbar an und nimmt vorsichtig eine Zigarette aus der Packung, ohne ihm diese abzunehmen. Dann zündet sie sie an, starrt vor sich ins Leere und sagt: "Ich glaube, so etwas ist mir eben auch passiert..."
Er zündet sich zuerst seine eigene Zigarette an, bevor er etwas erwidert. Er schaut in die Dunkelheit des Parks hinaus, ohne sich Eli zuzuwenden. Dann fragt er sie, was passiert ist.
"Nur ein paar Idioten... sie waren harmlos." Sie merkt, dass sie ihn zitiert, und lächelt dabei.
"Oh Mann, diese pubertierenden Spinner." Er seufzt einmal laut. "Ich hoffe, sie bleiben so harmlos." In seiner Stimme schwingt Besorgnis mit.
"Du brauchst dir keine Sorgen zu machen", sagt sie wie selbstverständlich. Dann schaut sie ihn plötzlich besorgt an. "Hast Du Angst vor ihnen?"
Er ist über ihren Blick einen Augenblick verwundert, dann muss er lächeln. "Nicht um mich", sagt er etwas leiser.
"Ich habe auch Angst", sagt sie, als wäre das nichts Besonderes. Für ihn klingt es seltsam unlogisch, er kann es nicht recht einordnen.
Für wenige Augenblicke kann er die Verwunderung in seinem Gesicht nicht verbergen. Er denkt, dass sie vielleicht noch unter einem leichten Schock steht. Er sieht sie kurz skeptisch und prüfend an und hat nicht den Eindruck, dass sie unter Schock steht. Irgendwie bleibt sie ihm ein Rätsel.
Sie schaut ihn wieder auf diese seltsame Art an. "Ich habe auch immer Angst, dass Du von der Arbeit kommst und wieder traurig bist... wegen deinem Chef, weißt Du?"
Als er das hört, muss er wieder lächeln. "Das ist sehr lieb von Dir." Er schweigt einen Moment. "...aber deswegen musst Du dir wirklich keine Sorgen machen."
"Warum nicht? Ist er tot?", fragt sie. Sie lächelt dabei nicht, die Frage scheint ihr voller Ernst zu sein.
Er schaut sie ziemlich perplex an. "Nein!" Es bricht beinahe harsch aus ihm heraus – mit dieser Reaktion hat er einfach nicht gerechnet. Dann fängt er sich wieder und redet ruhig weiter. "Es gibt wirklich Schlimmeres als das. Du musst dir deswegen keine Sorgen um mich machen." Er schafft es, sie wieder anzulächeln.
Sie überlegt und sie kann sich ihrerseits seine Reaktion nicht ganz erklären. Sie schweigt für einige lange Augenblicke. "Ich finde nicht, dass es etwas Schlimmeres gibt", sagt sie recht überzeugt und starrt dabei geradeaus, auf den Boden vor der Bank.
Er schaut sie weiter verwundert an. "Natürlich gibt es das... sogar sehr vieles." Dann schweift sein Blick wieder in die Ferne und verliert sich in der Dunkelheit der Nacht.

Kapitel 2 - Episode 9
von Alina am 26.07.2026 06:49
Eli schnippt die Zigarette auf den Fußweg. Dabei fällt ihr Blick auf die Haustür – dort steht der Junge, der vorhin zum Essen musste. Die Tür fällt gerade hinter ihm zu, er ist eben erst herausgekommen. Er kommt näher und schaut die beiden an. Ihr Atem wird wieder unruhiger. Vom Geräusch der Haustür und ihrem schnelleren Atem alarmiert, dreht Malte den Kopf in Richtung der Tür. Der Junge mit dem Namen Kevin baut sich vor ihnen auf und schaut abwechselnd beide an.
"Findest Du das cool, unser Revier zuzumüllen?", fragt er Eli mit scharfem Ton und schaut dabei auf den noch qualmenden Stummel. Und sie starrt durch ihn hindurch.
Malte schaut ihn etwas fassungslos an. Dieses Mal ist er nicht so entspannt wie beim ersten Treffen. Zuerst schaut er zu Kevin, dann zu ihr.
Sie sieht sehr unglücklich und traurig aus. Aber sie sagt nichts und rührt sich auch nicht. Kevins Blick liegt jetzt vollständig auf Eli und Malte beachtet er gar nicht mehr.
Sein Verhalten macht Malte wütend. Es ist so offensichtlich, dass dieser Idiot Streit sucht. Und ihm ist anscheinend jeder Grund recht. "Dein Revier? Bist Du ein Hund oder was?", bricht es aus Malte heraus.
Kevin schaut nun wütend zu ihm herüber. "Wer redet denn mit Dir, Du Arsch? Halt die Klappe, wenn ich mit meiner Süßen rede", schnauzt er ihn an und muss dann bei seinen eigenen Worten grinsen.
Eli atmet tief aus. "Das ist Kevin", sagt sie leise, wie eine Feststellung.
Malte kann sich ein Lachen nicht verkneifen. "Deiner Süßen?" In seinem Kopf überschlagen sich die Gedanken – warum geht er nur auf diese dämliche Provokation ein? Und ist es nicht klar, dass dieser Idiot auch noch Kevin heißen muss? Dieser freche Kerl erfüllt wirklich jedes Klischee.
Kevin ist abgelenkt, auch weil er seinen Namen gehört hat. Er grinst und nickt Eli zu. "Du kennst sogar meinen Namen. Das ist cool, Baby..."
Dann wendet er sich wieder Malte zu. "Ja, was dagegen, Du Schwächling?" Er sieht wirklich wütend aus wenn er mit Malte redet, auch wenn er längst nicht mehr so sicher wirkt wie damals, mit seinen zwei Freunden im Rücken.
Malte schaut zu Eli herüber, dann zur Tür. Er möchte, dass sie hineingeht. Er mustert Kevin wieder und versucht ruhig zu wirken, während sein Herz wie verrückt schlägt.
Da Malte nichts erwidert, wendet sich Kevin wieder Eli zu. "Los, steh' auf, heb' den Müll auf und entschuldige Dich. Dann ist alles okay..."
Noch sitzt Eli nur da. Sie rührt sich nicht und starrt weiterhin nur vor sich auf den schmutzigen Boden.
Malte atmet einmal tief durch, dann steht er auf. Er will keine direkte Auseinandersetzung, er hasst sogar jede Form von Gewalt – und trotzdem hat er das Gefühl, sie beschützen zu müssen. Er wendet sich ihr zu. "Komm, wir gehen 'rein."
"Hey, was hast Du vor?", schreit Kevin ihn an. "Wenn ich was nicht leiden kann, dann sind das so Opfer wie Du, die das Maul aufreißen." Er spuckt Malte dabei an, als er ihn so anschreit. Und plötzlich hat er ein Klappmesser in der Hand!
Eli sieht Malte traurig an und sagt leise. "Siehst Du? Es gibt nichts Schlimmeres..."
Malte wischt sich den Speichel aus dem Gesicht und schaut Kevin an. "Weiß Deine Mutter eigentlich, was Du hier treibst?" Das Messer in Kevins Hand ist ihm noch gar nicht aufgefallen; sein Blick fällt erst jetzt darauf. Und dann schaut er schockiert in Elis Richtung. Man kann sehen, was er denkt: Scheiße!
"Lass meine Mutter aus dem Spiel, Alter", zischt Kevin böse.
Eli steht langsam auf und geht ganz ruhig zu dem Stummel, der inzwischen erloschen ist. Sie hebt ihn auf und wirft ihn mit einer müden Bewegung in den Mülleimer. Dann dreht sie sich um und sagt leise: "Entschuldige bitte, Kevin."

Kapitel 2 - Episode 10
von Alina am 27.07.2026 06:55
Malte schaut zu Kevin herüber und wartet dessen Reaktion ab. Kevin grinst bis über beide Ohren und nickt zustimmend. "Super, so mag ich das", sagt er triumphierend und steckt das Messer wieder ein. Er beobachtet Malte dabei aber weiterhin scharf. "Du bist in Ordnung, Süße, wir feiern bald mal..." Dann steckt er die Hände in die Taschen und geht wie ein stolzer Pfau an den beiden vorbei, ebenfalls in Richtung Haltestelle – nicht ohne sich noch einmal umzudrehen und Malte einen abfälligen Blick zuzuwerfen. "Opfer!", zischt er, als er an ihm vorbeigeht und ihn noch mit der Schulter anrempelt.
Malte ist überrascht, dass Kevin so einfach nachgibt. Nach einem Moment lässt er sich auf die Bank fallen und schweigt. Eli steht noch vor der Bank. Sie hat angefangen zu zittern. Sie kann sich gerade nicht bewegen, ein paar Tränen laufen ihre Wangen herunter. "Das ist so... gemein", stammelt sie, ihre Stimme klingt kratzig.
Malte steht wieder auf als er das sieht und kommt näher. Er legt die Hände auf ihre Schultern und versucht sie anzulächeln. Seine Stimme zittert leicht. "Er ist jetzt weg..."
Sie lehnt ihren Kopf an seine Brust und nickt. Dann geben ihre Knie nach, und sie lässt sich neben ihn auf die Bank plumpsen. Sie sieht mit tränennassen Augen zu ihm auf. Er setzt sich zu ihr, legt seinen Arm um sie und streichelt sanft ihre Schulter.
Sie lehnt den Kopf dankbar an seine Schulter und in diesem Moment sieht sie geradezu erbarmungswürdig aus. "Er hat so schlimme Sachen gesagt...", flüstert sie leise. "...das darf er nie wieder tun. Du bist kein Opfer, niemals."
Malte ist bemüht, so ruhig wie möglich zu wirken. Er will sich nicht noch Sorgen um sich selbst machen und streichelt über ihr langes Haar. "Es ist alles gut."
Sie schluckt und zieht die Nase hoch. Seine Anwesenheit scheint sie wirklich zu beruhigen. Er denkt einen Moment nach. "Er darf Dich nicht so behandeln..." Seine Stimme ist dabei so leise, dass er fast flüstert.
Sie reagiert nicht darauf. Stattdessen scheint sie nachzudenken. Dann fragt sie leise: "Hattest du auch Angst?"
Vorsichtig und behutsam zieht er sie noch ein bisschen näher an sich heran. "Mhm...", murmelt er zustimmend, obwohl er am liebsten "Nein" gesagt hätte – aber er kann sie einfach nicht belügen.
"Wenn er Dir Angst macht, dann...", sie verstummt und kuschelt sich noch näher an ihn heran. Ihre Haare fallen über die Vorderseite seines Oberkörpers. Sie riechen seltsam, aber nicht unangenehm. Es ist ein Duft, den er noch nie wahrgenommen hat. Sie vollendet den Satz nicht mehr und einige Augenblicke vergehen.
Sein Atem normalisiert sich wieder. Eli hört, wie sein Herz langsamer schlägt. Mittlerweile genießt er nur noch ihre Anwesenheit, die vorherigen Ereignisse scheinen schon fast vergessen. Er hat sie sehr höflich und nett, aber distanziert kennengelernt. Nun ist sie so anders. Er ist beinahe etwas überfordert, aber er hält sie nur zu gern im Arm. Er will sie festhalten, so lange sie es zulässt.
Sie bleibt so liegen, an ihn gelehnt und dann hört er sie fragen: "Hast Du noch eine Zigarette? Meine sind leider ausgegangen..."
Als er das hört, muss er kurz lachen und löst die Umarmung. "Aber sicher", kramt er kurz in seiner Seitentasche und zieht die Schachtel heraus.
Sie setzt sich langsam auf und nimmt eine Zigarette aus der Packung, genauso vorsichtig wie vorhin, und zündet sie an. Er nimmt sich ebenfalls eine und steckt sie sich sofort an. Dabei schaut sie ihn an – und es sieht aus, als würde in ihrem Blick tiefe Dankbarkeit mitschwingen, vielleicht auch Sorge und Mitgefühl. Er kann es nicht ganz genau deuten.
Er lächelt sie ebenfalls wieder an. Mittlerweile wirkt er wieder um einiges entspannter. Sie selbst ist nicht so entspannt, was für ihn allerdings auch kein Wunder ist. Seiner Meinung nach ist sie viel hilfloser wie er. Natürlich hat sie also auch mehr Angst als er. Sie zieht etwas zu tief an der Zigarette, so als müsste sie damit etwas verdrängen.
Sie raucht also in tiefen Zügen und für ihn sieht das nicht besonders entspannt aus. Sie wirkt dabei nachdenklich, als würden Bilder vor ihrem inneren Auge ablaufen.
Er legt seine Hand auf ihren Rücken, fährt langsam hoch und wieder herunter. "Was ist los?", fragt er und schaut sie fragend an.
"Ich will nicht wieder hier weggehen müssen", sagt sie leise und lehnt sich wieder an seine Schulter.
Seine Hand ruht nun wieder auf ihrer Schulter und streichelt sie sanft. Vorsichtig drückt er sie an sich. "Warum solltest Du weggehen müssen?", fragt er etwas verwundert. "Wegen diesen Kerlen?"
Sie schaut zu ihm hoch und will etwas sagen, doch es kommt nicht über ihre Lippen. Stattdessen schaut sie ihn prüfend an. "Ich... ich weiß nicht... es passiert immer wieder." Ihre Stimme klingt etwas hilflos, sie sucht nach Worten.
Seine Stirn legt sich in Falten. "Du kannst es mir ruhig erzählen, ich..." Doch er merkt, dass sie nicht darüber sprechen mag, und verstummt wieder. Er bohrt nicht nach.
Er lächelt sie an. "Es ist okay, wenn Du nicht darüber reden möchtest, ich will Dich nicht dazu zwingen."




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